Eine große Schule der Kreativität

5 06 2008

Bei den Kleinsten ist der Stolz am größten: „Schau – ich bekomme einen Preis!“ Und dann steigt die Spannung bis zur Eröffnung der  Ausstellung vor großem Publikum im Donau-Einkaufszentrum Regensburg… Seit 40 Jahren werden jeweils in den ersten Frühlingswochen die Einladungen an junge Talente verschickt, die im Kunstunterricht besonders gelungene Arbeiten für den Wettbewerb „Regensburger Jugend malt und zeichnet“ gestaltet haben. Heuer ist es am Mittwoch, 4. Juni, so weit: Dann treffen sich mehrere hundert Schüler/-innen, ihre Familien, Lehrkräfte und Freunde auf den stets dicht umdrängten Präsentationsflächen des größten Shopping Centers der Region. Wobei beim Jubiläumstermin prominente Gäste gratulieren.

Rund 400 000 Beiträge, fast 80 000 ausgestellte Arbeiten und etwa 7000 Preisträger/-innen – die Ergebnisse der erfolgreichsten Initiative dieser Art in Europa können sich im doppelten Sinne sehen lassen. Bis heute ist die Resonanz auf die 1968 gestartete Aktion ungebrochen: Und nie zuvor war das Anliegen, die Öffentlichkeit für eine qualifizierte Kunsterziehung von den Grundschulen bis hin zu den Abi-Jahrgängen zu gewinnen, wohl wichtiger. Schließlich will die Erfahrung, dass schlichtes Papier, Kohle, Pinsel, Aquarell- oder Acryl-Farben mehr Erlebnis-Intensität ermöglichen können als Notebook, Spielkonsole, iPod, Blu-ray und Plasma-Display, erst mal überzeugend vermittelt sein.

Die Öffentlichkeit für die Kunsterziehung sensibilisiert

Als die Initiatoren mit dem Wettbewerb Zeichen setzten, wurde von Kanzler Willy Brandt gerade das Farbfernsehen in der Bundesrepublik gestartet. Im allgemeinen Reform(über)eifer vor dem Hintergrund der Studenten-Rebellion drohte die klassische Kunsterziehung an den Schulen an Gewicht zu verlieren. Dem setzten Dr. Johann und Max Vielberth in der Geschäftsführung des wenige Monate zuvor eröffneten  Centers, die Vereinigung der Kaufleute im Donau-Einkaufszentrum e. V., voraus schauende Kulturpolitiker der Stadt Regensburg sowie der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Niederbayern-Oberpfalz mit dem damaligen Vorsitzenden Rupert D. Preißl ein pragmatisches Konzept entgegen. Ermutigt wurden sie von Kunstschaffenden und Lehrkräften, die sich vom ersten Tag an in den regionalen Schulen sowie der ehrenamtlichen Jury für das zentrale Ziel mit einsetzten. Ein hoher persönlicher Zeitaufwand der Organisatoren und Juroren, Sachpreise in der Anfangsphase und später dann Einkaufsgutscheine für alle Preisträger wurden aufgebracht, um die Aktion von 1968 bis 2008 mit Leben zu erfüllen. Insgesamt flossen bislang rund 600 000 Euro in die gezielte Talentförderung.

„Mit Ausnahme des Jahres 1998, in dem hier bei uns im Haus monatelang in Nachtschichten tief greifende Umbau- und Erweiterungsarbeiten abliefen, konnten wir den Wettbewerb ohne Unterbrechung anbieten und der Kunsterziehung stetige Impulse geben“, so Center-Geschäftsführer Gerd Temporale.

Viel Fachwissen in der ehrenamtlichen Jury

Für den Stellenwert der Aktion stehen all die bekannten Künstler, Kunsterzieher oder Kaufleute, die sich seit 1968 in der Jury engagiert haben. Stellvertretend seien jene genannt, die aktuell in diesem  fachkundigen Kreis mitwirken: Bäuml Ludwig, Graf Claudia, Haan Ruth, Hofmarksrichter Peter, Hutterer Rosa, Knorr Julia, Knyrim Helmut, Kreuzer Franz, Lindner Maria, Neft Elisabeth, Rappel Manfred, Ruckdäschel Margaritha, Rüth Josef D., Schneidler Dr. Herbert, Seidenschwann Maria, Temporale Gerd, Tezzele Peter, Vielberth Jutta, Vielberth Max, Weidinger Ute und Zimmerer Renate. Einige frühere Preisträger geben inzwischen sogar selbst als Pädagogen ihre positiven Erfahrungen weiter, beispielsweise Franz Kreuzer in der Kunsterziehung am Werner-von-Siemens-Gymnasium oder Peter Tezzele als Rektor der St.-Marien-Realschule in Regensburg.

Im Jubiläumsjahr empfanden die Juroren eine Arbeit von Sophia Lindner (K 13 / St.-Marien-Gymnasium) als exemplarisch. Ihre  farbstarke „Weltsicht“ prägt das Plakat, das zur Präsentation von  insgesamt 1400 Exponaten einlädt (4. bis 21. Juni). Musikalisch umrahmt wird der Auftakt wieder von der Big-Band des Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums unter Leitung von Barbara Vielberth-Baer.

Thema einer aufwändig gestalteten Dokumentation

„Ich erinnere mich gerne daran, dass ich schon als Schüler ins Einkaufszentrum gegangen bin, um zum Beispiel am Wettbewerb aktiv teilzunehmen. Heute weiß ich es sehr hoch zu schätzen, dass nicht nur die Jugend zum künstlerischen Prozess animiert wird, sondern vielmehr die Bevölkerung mit dem Schaffen junger Menschen zusammengeführt wird“, ordnete Regensburgs Kulturreferent Klemens Unger das nachhaltige Sponsoring in einem Statement für die Dokumentation „Kunst im Donau-Einkaufszentrum“ ein. Und sein Vorgänger im Amt, Dr. Wolf Peter Schnetz, schrieb über den Aufbruch in den 60er Jahren: „Eine andere Dimension von Kulturarbeit in der Partnerschaft mit einem Unternehmen wurde erschlossen: Ein frühes Modell von Public Private Partnership, lange bevor diese Strömung zum gängigen Begriff geworden ist. Für die kulturelle Entwicklung in Ostbayern hat das Donau-Einkaufszentrum unverzichtbare Pionier-Dienste geleistet.“

Da die Aktion „Regensburger Jugend malt und zeichnet“ bei vielen das Interesse an kreativen Ausdrucksformen weckt und wach hält, ist sie natürlich ein Schlüsselthema der 240-seitigen Dokumentation, die das kulturelle Geschehen auf den Ladenstraßen seit 1967/68 rekapituliert. Wer sich ein Bild machen möchte, erhält den aufwändig illustrierten Band mit einer Betrachtung von Josef D. Rüth zum Malwettbewerb gegen eine Schutzgebühr an der Center-Info. Dort gibt es zudem einen kostenlosen Wegweiser zu allen Bildern, Skulpturen und künstlerisch gestalteten Brunnen im Donau-Einkaufszentrum (rund 130 Anbieter ).


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